Nachdem eHealth in den meisten Spitälern der Schweiz Einzug gehalten hat, sind die Grundlagen für Prozess-Optimierung und Prozess-Steuerung oft vorhanden. Eigentlich wäre es damit an der Zeit, die oft in Aussicht gestellten Beschleunigungen von Prozessen und Qualitätsoptimierungen im Alltag and die Hand zu nehmen und entsprechende Resultate zu sehen.
Das theoretische Wissen um bestmögliche Behandlung der Patienten ist oft vorhanden, Experten (meist Non-Healthprofessionals) wissen meist auch um die theoretisch besten Abläufe in Institutionen des Gesundheitswesens. Behandlungsguidelines und Patientenpfade werden dabei zu theoretischen Richtungsweisern,die es umzusetzen gilt. Doch, wie so oft, sieht der Alltag anders aus als die Theorie.
Es gibt nur eine handvoll chronischer Krankheiten, die zu einem relevanten Anteil der Gesundheitskosten in der Schweiz beitragen.Entsprechend macht es Sinn, diese chronischen Krankheiten mit den für sie definierten Guidelines ins Visier zu nehmen um nicht nur rein medizinische sondern auch kostenwirksame Optimierungen in der Patientenbehandlung zu erreichen.
Von aussen betrachtet, liegen für die Befolgung dieser Guidelines nötige Bausteine in genügend strukturierte Form meist vor. Laborwerte, Medikamente, Medikamenten-Gruppen, Diagnose-Gruppen und weitere Informationen können auf elektronische Art und Weise derart verknüpft werden, dass eine Entscheidungsunterstützung (decision support) sowohl im Sinne der Kontrolle als auch im Sinne der Korrektur möglich wird.Die elektronische Terminführung und ein Order-Entry-System ermöglichen ziel- und zeitgerichtete Steuerung von Prozessen. Und dennoch ist der Literatur zu entnehmen, dass oft nur 50-60% der Patienten wirklich so behandelt werden, wie es die Guidelines oder Patientenpfade vorsehen. Wie kann das erklärt werden und kann es verhindert werden? Anhand eines konkreten Beispiels einer solchen chronischen Erkrankung sollen einige Antworten auf diese Fragen gegeben werden und die Limitationen theoretischer Konstrukte im praktischen Alltag eines Spitals aufgezeigt werden. |